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Wie verarbeite ich Jersey richtig

Jersey nähen
Generell solltet ihr Stoffe (ausgenommen Vlies) vor der Verarbeitung unter Berücksichtigung der Pflegesymbole waschen, wegen des Einlaufs und damit eventuelle Farbüberreste ausgewaschen werden.
Jersey gehört zu den Maschenwaren, ist also gestrickt und nicht gewebt. Dadurch erhält er seine Elastizität.
Man unterscheidet im Wesentlichen Single-Jersey und Double-Jersey (Romanit und Interlock). Der Unterschied steckt im Namen: Double-Jerseys sind etwas schwerer als Single-Jerseys und außerdem formstabiler und doppelflächig, d.h. sie haben zwei rechte Seiten. Sie sind etwas leichter zu vernähen, da sie sich an den Rändern nicht so stark einrollen.

Zuschneiden
Breitet den Jersey glatt auf dem Zuschneidetisch aus. Wenn du im Stoffbruch zuschneidest, falte den Stoff entsprechend. Nun sollte dein Jersey erst mal ungefähr ein paar Minuten ruhen. Diese Zeit braucht er, um sich zu seiner ursprünglichen Größe zusammenzuziehen (ansonsten könnten deine Schnittteile zu klein werden).
Der in den Schnittteilen eingezeichnete Fadenlauf entspricht dem Maschenlauf und muss beim Aufstecken der Schnittteile parallel zu den Längskanten (Webkanten) des Stoffes verlaufen. So wird gewährleistet, dass dein fertiges Kleidungsstück in Querrichtung dehnbar ist.
Anstatt die Schnittteile festzustecken, hat es sich bei Jersey auch bewährt, diese lediglich mit Gewichten auf dem Stoff zu fixieren. Anschließend entweder die Schnittlinien anzeichnen und die Teile mit der Schere ausschneiden oder direkt mit einem Rollschneider ausschneiden. In diesem Fall Schneidematte unterlegen nicht vergessen!
Typisch für Jersey ist das Einrollen an den Rändern, was das weitere Verarbeiten schwierig macht. Hierzu gibt es ein Trick. Ein Stück Formband oder Vlieseline G785 am Rand entlang aufgebügelt sorgt für Stabilität.

Nadeln
Auf keinen Fall eine normale Nähmaschinennadel. Die würde den Stoff verletzen. Für Jersey verwendest du eine Jerseynadel. Sie hat eine abgerundete, kugelförmige Spitze und sticht immer zwischen die Maschen. So kann keine Laufmasche im Stoff entstehen. Es gibt unterschiedliche Nadelstärken von 70 – 90, je dünner das Material, desto niedriger die Nadelstärke.
Für Sweatshirtstoffe solltest du ebenfalls eine Jerseynadeln nehmen, jedoch in einer Stärke von 80 oder 90. Für gröbere Maschenware (Strick), für feste Stoffe mit Stretchanteil oder feste bi-elastische Stoffe empfiehlt sich die Verwendung einer Stretchnadel. Auch hier gilt: je dünner das Material desto niedriger die Nadelstärke. Stretchnadeln haben eine größere abgerundete Spitze als Jerseynadeln.

Nähgarn
Bitte kein elastisches Garn nehmen. Elastische Nähte entstehen durch die Stichart, nicht durch das Garn. Wichtig ist, und das gilt generell für alle Arbeiten an der Nähmaschine, dass du qualitativ hochwertiges Nähgarn verwendest. Bitte kein billiges Schnäppchengarn aus dem Supermarkt oder altes Garn aus Omas Nähkästchen. Das ist oft spröde und reißt. Viele glauben dann, es läge an ihrer Nähmaschine oder an der Fadenspannung.

Nähen
So wie es unterschiedlich elastische Stoffqualitäten gibt, so sind auch die Stiche unterschiedlich elastisch. Einige sind nur zum Zusammennähen zweier Stofflagen geeignet, andere versäubern die Stoffkante gleich mit, wieder andere kann man zum Säumen nehmen.
Was auch immer du vorhast, das Wichtigste ist das Ausprobieren im Vorfeld. Verwende Reststücke deines Materials und nähe eine längere Strecke. Erst wenn du mit dem Stichbild zufrieden bist, kann es losgehen. Denn dehnbare Stiche lassen sich nicht so gut auftrennen, wie Geradstiche beim Webstoff z.B. Baumwolle. Beim Nähen ist das Wichtigste, dass du die Nähmaschine den Stoff führen lässt und möglichst wenig Zug ausübst. Kommt während des Nähens zu viel Zug auf den Stoff, zieht er sich nach dem nähen wie Gummi zusammen und es entstehen Wellen.
Die Fäden haben natürlich eine gewisse Spannung und wenn man zu knapp am Anfang oder Rand näht, dann zieht es den Jersey in die Nähmaschine.
Beim Nahtanfang beide Fäden beim losnähen festhalten und wenigstens einen halben Zentimeter Stoff lassen bevor die Naht beginnt. Zudem reichlich Nahtzugabe lassen. Je dünner der Stoff umso größer die Nahtzugabe. Bei einem dicken Jersey können 0,5 Zentimeter ausreichen. Bei einem dünnen kann es durchaus 1 Zentimeter sein.
Zum zusammennähen zweier Teile,  nähst du mit schmal eingestelltem Zickzackstich (Stichlänge ca. 2,5 mm, Stichbreite ca. 0,5 mm) oder einem Elastikstich (Näheres dazu findest du im Anleitungsheft der Maschine).
Stoffkanten versäuberst du mit großen Zickzackstichen.
Was mache ich, wenn sich der Stoff einmal in den Transport festklemmt?
Es kann passieren dass bei dünnem Jersey mitten in der Naht, Stoff im Transporteur zieht und stecken bleibt. Dann sofort anhalten und auf gar keinen Fall mit Gewalt am Stoff ziehen. Ganz vorsichtig den oberen und unteren Faden versuchen abzuschneiden. Bei Bedarf die Stichplatte abschrauben und den Stoff vorsichtig aus der Stichplatte herausholen. Wendet man zu viel Kraft beim heraus ziehen auf, verstellt sich der Greifer und die Maschine muss in Reparatur.

Ideal zum Nähen von Jersey ist eine 4-fädige Overlockmaschine. Die Nähte sind elastisch und strapazierfähig. Sie werden in einem Arbeitsgang genäht und versäubert. Genäht wird mit 4 Fäden. 2 Nadelfäden und 2 Greiferfäden.

Saum nähen
Säume nähst du am besten mit der Zwillingsnadel. Dafür muss ein zweiter Garnrollenhalter vorhanden sein. Die zweite Garnrolle wird ebenso eingefädelt wie die erste.
Den Saum am besten vorab umbügeln. Versäubern ist nicht notwendig, das passiert beim Nähen mit der Zwillingsnadel automatisch. Jetzt mit dem Geradstich und Stichlänge 3-4 nähen. Da hier zwei Nähte mit einem Unterfaden verbunden sind, ist die Zwillingsnaht elastisch.
Die Zwillingsnadel kann übrigens auch zum Aufsetzen von Taschen auf Shirts verwendet werden  oder man steppt (Hals)Bündchen damit auf der rechten Seite ab, damit die Nahtzugabe schön flach liegt. Wichtig beim nähen mit der Zwillingsnadel ist, dass du nur mit dem Gradstich nähst. Beim zickzack oder anderen Zierstichen würde dir die Nadel sofort abbrechen.

Bügeln
Möglichst nicht quer, sondern immer in Maschenrichtung (Längsrichtung) bügeln.
Die Bügeltemperatur richtet sich nach dem Material, bei Fasermischungen nach der empfindlicheren Faser. Grundsätzlich gilt: vorher an einem Stoffrest testen!

Jersey und Maschenware in Bestform
Damit sich Kragen und Verschlusskanten nicht verziehen können, werden sie mit Einlage stabilisiert. Am besten geeignet ist die Gewebeeinlage Vlieseline G 785. Sie ist leicht bielastisch und gibt den nötigen Halt, aber der Stoff bleibt weich und schmiegsam. Sie wird trocken mit geringer Bügeltemperatur (Einstellung Seide) aufgebügelt.
Hals- und Armausschnittkanten bekommen mit aufbügelbarem Vlieseline, Formband den nötigen Halt.
Das Formband ist schräg zugeschnitten, sodass es sich um jede Rundung legen lässt. Zur Stabilisierung ist es 4 mm neben einer Kante mit Kettstich durchgesteppt. Dieser Kettstich soll beim Aufbügeln auf die Nahtlinie treffen. Nur bei Kanten, die später eingefasst werden, liegt der Kettstich dicht neben der markierten Nahtlinie auf dem Vorder- und Rückenteil.
Schulternähte können sich nicht ausdehnen, wenn du Formband aufbügelst oder beim Steppen einen ausgedehnten Futterschräg-streifen mitfasst.